Kann ich beweisen, dass es Gott nicht gibt?

Nun, wie Juristen so gerne sagen: Es kommt darauf an. Genauer gesagt kommt es auf die Definition des Wortes „Gott“ an.

Nach meiner Definition handelt sich bei diesem sogenannten Gott um einen fiktiven Charakter, den sich Menschen ausgedacht haben so wie z.B. Superman und Wonderwoman. Insofern ist Gott lediglich eine Idee bzw. Vorstellung, nicht etwas tatsächliches, anfassbares, kein eigenständiger Akteur, der eigene Entscheide fällt oder irgendeinen Einfluss auf die reale Welt hat. Nach meiner Definition entfällt somit die Notwendigkeit, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen.

Im Übrigen kommt es eben darauf an, wie jemand Gott definiert. Oder anders gesagt: Je spezifischer jemand Gott definiert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Widersprüche vorhanden sind, die einen Gott logisch unmöglich machen – und somit widerlegen. Je weniger spezifisch die Definition, desto unwahrscheinlicher. So im Sinne von: Gott ist irgendwas, irgendwo, irgendwann. Natürlich kann ich nicht beweisen, dass das nicht existiert – und wieso sollte ich auch?

Die Beweislast liegt bei demjenigen, der behauptet, dass etwas existiert (vgl. etwa Art. 8 ZGB für juristische Belange). Zugegebenermassen liegt die Beweislast auch bei demjenigen, der behauptet, dass etwas nicht existiert. Allerdings behaupte ich nicht, dass es unter gar keinen Umständen irgendeinen Gott gibt – ich stelle nur fest, dass für etwas, was man üblicherweise Gott nennt, keine ausreichenden Beweise vorliegen. Hingegen wissen wir, dass Menschen seit Jahrtausenden fiktive Charaktere erschaffen bzw. erfinden – es erscheint insofern naheliegend, dass auch Gott fiktiver. Auch die meisten Theisten dürften zustimmen, dass alle Götter fiktive Charaktere sind – ausser eben dem einen, an den sie glauben.

Ich habe mich bereits im ersten Beitrag dieses Blogs allgemein dazu geäussert, welche Vorstellungen von Gott mit der Realität vereinbar sind und welche nicht. Der christliche Gott fällt aus zahllosen Gründen ausser Betracht. Natürlich würde es den Rahmen dieses Blogs sprengen, sie alle aufzulisten (und mir sind auch nicht alle bekannt), aber es reicht ja, nur einen zu finden, um das ganze Konstrukt zum Einsturz zu bringen (müsste man jedenfalls meinen).

Es reicht schon, die ersten paar Sätze der Bibel bzw. des alten Testaments zu lesen, um Ungereimtheiten zu entdecken (mal abgesehen von den Widersprüchen zwischen biblischer Schöpfungsgeschichte und wissenschaftlichen Erkenntnissen). Vereinfacht gesagt schuf Gott Himmel und Erde sowie Licht und Finsternis, die sich abwechseln und somit Tag und Nacht bilden. Am zweiten Tag schuf er Land und Meer sowie Pflanzen. Am dritten Tag schuf er die Lichter am Himmelsgewölbe, insbesondere das grössere (Sonne) und das kleinere (Mond), das über die Nacht herrscht. Etc.

In der Realität entstehen die Tag- und Nachtwechsel durch die Erdrotation und die Sonneneinstrahlung. Insofern ist es zumindest unnötig kompliziert, wenn Gott zunächst Tag und Nacht erschafft und erst zwei Tage später die Sonne (von der von den Bibelautoren wohl angenommen wurde, sie kreise um die Erde). Auch nicht sehr durchdacht scheint der Ansatz, Pflanzen vor der Sonne zu erschaffen. Sodann ist es von der Erde aus gesehen plausibel, den Mond ein Licht zu nennen – Gott müsste aber besser wissen, dass der Mond nicht von sich aus leuchtet. Und eigentlich sollte es den Menschen schon damals aufgefallen sein, dass man den Mond nicht nur nachts sieht und er somit nicht (nur) über die Nacht herrscht.

Die biblische Schöpfungsgeschichte macht wenig bis gar keinen Sinn. Sehr aufschlussreich erscheint mir noch Mt 18, 19: „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ Als entweder haben noch nie zwei auf Erden für das Verschwinden des Coronavirus gebeten (oder für sonst was Hilfreiches) oder die Bibelstelle ist falsch. Und wie könnte sie auch richtig sein: Denn wie sollte Gott jedem gerecht werden, wenn vier Sportfans für den Meisterschaftstitel ihrer Mannschaft bitten und zwei davon YB-Fans sind und zwei Fans vom FC St. Gallen?

Speziell witzig finde ich im Übrigen, dass der christliche Gott nicht zu wissen scheint, dass Fledermäuse keine Vögel sind (siehe Bar 6,21 „Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel“). Hat Gott also den Fehler in der Bibel einfach übersehen oder existiert Gott etwa gar nicht?

Langer Rede kurzer Sinn: So kann man gegebenenfalls beweisen, dass ein spezifischer Gott nicht existiert. Wie man hingegen die Existenz eines (übernatürlichen) Gottes beweisen kann, ist eine ganz andere Frage.

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