Macht Buddhismus Sinn?

Buddhismus ist doch die Religion mit der Reinkarnation. Diese hat für mich nie Sinn gemacht. Was bringt es mir, wenn ich früher mal ein anderer Mensch war oder eine Ameise oder was auch immer, wenn ich mich nicht daran erinnern kann? Sind es nicht weitestgehend die Erinnerungen, die uns ausmachen? Wieso sollte ich glauben, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen einem früheren Lebewesen und mir gibt, wenn es keine Beweise dafür gibt?

Natürlich bestehe ich aus Material (Atomen), aus dem nach meinem Tod andere Lebewesen entstehen können. Allerdings entsteht aus dem Material ja nicht zwingend ein einzelnes Lebewesen. Abgesehen davon verliere ich ja während meines Lebens schon Material wie Haare, Hautzellen etc., aus dem dann schon zu meinen Lebzeiten andere Lebewesen entstehen können.

Wann war denn eigentlich mein erstes Leben und wie ist es entstanden? Davon ausgehend, dass vor Milliarden von Jahren die ersten Bakterien auf der Erde entstanden sind, könnte ich also vor Milliarden von Jahren das erste Mal gelebt haben. Aber zunächst gab es ja vermutlich nur eine Handvoll Bakterien (und noch keine Hände). Das heisst, die meisten „Seelen“ oder wie man das nennen will, müssten später entstanden sein. Und heute gibt es ja Trillionen und Abertrillionen von Lebewesen. Insofern müssten sich die „Seelen“ ja auch vermehrt haben. Wie „Seelen“ sich wohl fortpflanzen?

Wenn ich zudem berücksichtige, dass die meisten Lebewesen nicht Menschen sind, ist die Chance doch extrem klein, dass ich, nachdem ich ein Mensch gewesen bin, als Mensch wiedergeboren werde. Oder haben menschliche „Seelen“ eine grössere Chance als Menschen wiedergeboren zu werden als nichtmenschliche? Das wäre ja unfair. Und welche „Seele“ wird denn eigentlich überhaupt ein erstes Mal als Mensch geboren? Hat eine Ameise, die ein besonders gutes Leben geführt hat, eine höhere Chance als Mensch wiedergeboren zu werden? Aber wie sollte eine Ameise ein besseres Leben führen als andere Ameisen?

Wie gesagt, Reinkarnation macht keinen Sinn für mich.

Vor kurzem habe ich angefangen, mich ein bisschen in den Buddhismus einzulesen. Zentral im Buddhismus ist bekanntlich kein Gott bzw. Gottheit, sondern ein erleuchteter Mensch, der sogenannte Buddha. Er soll ungefähr 560-480 v.u.Z. gelebt haben und Namen bzw. Bezeichnungen wie Siddharta, Gautama und Shakya getragen haben. Gemäss buddhistischer Lehre ist es möglich, dass es vor ihm andere Buddhas gegeben hat und weitere folgen werden – allerdings erst nach Äonen.

Buddha soll sein Wissen aus eigener Kraft erlangt haben, nicht mittels Offenbarung durch eine Gottheit, nicht (allein) durch das Studium „heiliger“ Schriften und nicht (allein) durch den Unterricht einer Lehrerin. Zwar hat es zu seinen Lebzeiten keinen anderen Buddha gegeben, er soll jedoch in einem früheren Leben die Lehren eines anderen Buddha gehört haben (womit sich die Frage stellt, wessen Lehren der allererste Buddha gehört hat). Buddha soll alle Leidenschaft überwunden haben, Wunderkräfte entwickeln, er soll sich u.a. an seine früheren Leben erinnern können, frühere und zukünftige Geburten anderer kennen, vollständige Kenntnis des Kosmos haben u.v.m.

Diesbezüglich stellen sich für mich zwei zentrale Fragen: Wie kann Buddha selbst wissen, dass er tatsächlich erleuchtet ist? Und wie können wir anderen es wissen?

Ein Stück weit können wir natürlich testen, ob seine Aussagen stimmen, z.B. solche über seine angeblichen früheren Leben, über frühere und zukünftige Geburten und wir könnten ihm z.B. Fragen aus einem Buch über Astronomie stellen (wobei er dann immer noch behaupten kann, dass die Antwort im Buch falsch ist und er die richtige Antwort hat). Dummerweise hat Buddha nichts aufgeschrieben – oder falls doch sind die Originale längst verloren gegangen (wie in diversen Religionen). Wir könnten also höchstens prüfen, was seine Schüler aufgrund seiner Reden – oder aufgrund von Hörensagen – aufgeschrieben haben. Wenn Buddha z.B. alles über den Kosmos gewusst hat, wäre doch zu erwarten, dass es um 500 v.u.Z. in der Nähe von Kapilvastu, dem Geburtsort von Buddha zu spektakulären Fortschritten in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen gekommen ist. Davon ist mir indes nichts bekannt. Insofern erscheint es nicht plausibel, dass Buddha viel mehr gewusst hat als andere Menschen.

Aber selbst wenn er viel mehr gewusst hätte als andere Menschen: Könnten wir wissen, wieso er mehr gewusst hat? Müssten wir ihm glauben, dass er erleuchtet ist? Nein. Es gibt halt einfach Menschen, die mehr wissen als andere; es gibt Magier, Hellseher etc., die so tun, als könnten sie Gedanken lesen (und zum Teil sogar überzeugend sind); und vielleicht war er ja auch einfach ein Ausserirdischer auf der Durchreise. Immerhin können wir davon ausgehen, dass die Erde nicht der einzige bewohnbare Planet im Universum ist.

Nun, wie auch immer: Auch Buddhismus macht für mich keinen Sinn.

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